KBS 764 Oebisfelde-Salzwedel

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Nach der langen Durchfahrt des Sumpfgebietes Drömling wurde dann die westliche Einfahrt des Bahnhofs Kunrau erreicht. Bis 1989 gab es hier noch mechanische Signale und tolle Telegrafenmasten. Kunrau lag aber im Sperrgebiet und Fotos wurden dadurch hier wenige gemacht.
Auf der Rückfahrt der Solidaritäts Sonderfahrt - 100 Jahre Oebisfelde-Salzwedel - ist noch mal gut der alte unverbaute Zustand des Bahnhofes Kunrau zu sehen.

Kunrau hatte zwei lange Personengleise und zwei kurze Gütergleise mit Kfz-Rampe. Nach dem Krieg entwickelte sich der Ort wirtschaftlich nicht mehr, so das auch der Bahnhof recht bescheiden blieb. Noch 1990 wurde der gesamte Bahnhof auf russische Signaltechnik umgebaut. 503649-6 erlebte wie bereits geschrieben den weiteren Frühling einsatzfähig nicht mehr. Rechts hinten das Einfahrsignal des Bahnhofes.

20.04.1991

118 512-3 war die letzte betriebsfähige Lok ihrer Baureihe des Bw Oebisfelde. 1991 fuhr sie täglich nur noch den Nahgüter bis Salzwedel und zurück. Bereits Mittags durcheilt sie hier auf dem Heimweg Kunrau. Der helle Vorbau am Bahnhof war die neue Schaltzentrale für die neuen Signale, welcher bedingt durch die Wende mit ansprechenden Riemchen verkleidet wurde.
Kreuzung von 2x Lz Fahrten! 119 183-2 nach Salzwedel und 118 512-3 nach Oebisfelde.

Bild: J. Hartmann

Am 25.06.1989 lagen schon die Steine, Kies und auf dem Flachwagen die Signale für den Umbau bereit. Vorn rechts dann die beginnenden Gütergleise und die Kfz-Rampe.

Eines dieser Gleise nutzte das Bw Oebisfelde, wie auch in Mieste zum Abstellen von ausgemusterten Lokomotiven. Bis 1982 standen hier 41 1227-2 und 41 1154-8 jahrelang rum. Bedingt durch das Grenzgebiet und in Sichtweite des Dienstpersonales waren sie hier vor Vandalismus recht sicher.

Bild: J. Hartmann

Die östliche Ausfahrt lag in einem großen Gleisbogen. Links erkennt man daher noch gut den Bahnhof Kunrau und die Güterwagen an der Ladestraße. 52 8132-4 und 65 1049 verqualmen mir hier am 01.07.1989 das schöne Formsignal und verlassen genau hier das Sperrgebiet zur BRD. Daher war ab diesem Punkt das Fotografieren wieder erlaubt!

 

Nach Kunrau wurde dann kurvig und flach durch die Altmark gefahren und nur der Ort Neuferchau, hier links im Hintergrund tangiert.
In Neuferchau konnte man dann schon Kusey am Horizont erkennen. Sehenswert war die hier untypische Kuseyer Zwiebelturmkirche, welche hier links am Wald hervorschaut. Unser Triebwagen fährt hier im August 2002 einem beginnenden warmen Sommertag in der Altmark entgegen.
Auch Schwesterlok 118 128-8 durfte noch 1991 den Nahgüter fahren. Es ist eines meiner letzten Fotos von ihr, da sie am 14.09.1991 abgestellt wurde. Hier verläßt der lange Zug, aufgefüllt mit Schadwagen, Kusey und befindet sich auf Höhe Neuferchau.
Vor Kusey wurde dann die Straße nach Oebisfelde mittels Halbschranken gesichert überfahren. Hier kehren die Rentner des Bw Oebisfelde im September 1989 von ihrem Kaffeeausflug nach Oebisfelde zurück.
Nochmals der hübsche Schrankenposten von Kusey in der Westausfahrt mit der angrenzenden Straßenkreuzung.
Hinter dem Bahnübergang wurde am Friedhof der Gemeinde vorbeigefahren und die erste Weiche erreicht.

Auch in Höhe des Friedhofs rangiert hier die vorletzte Oebisfelder 41 ihren Nahgüter nach Oebisfelde. In Kusey war ein riesiges ACZ, wo viel Dünger und Chemie umgeschlagen wurde. Auch Frühkartoffeln aus Griechenland, Italien usw. wurden hier mit internationalen Güterwagen angeliefert. 41 1033-4 (ex Stendal) war übrigens die letzte Lok der BR 41 die nochmals 1982 kostspielig aus dem Schrottzustand vollständig wieder aufgebaut wurde. Anfang 1985 "starb" sie dann in Oebisfelde für immer!

Bild: J. Hartmann

Im trüben März 1990 waren die umfangreichen Gütergleise in Kusey noch voll genutzt. Unmengen von Kohlen, Zement, Düngemitteln und sonstige landwirtschaftliche Produkte wurden hier mit der Bahn noch transportiert. Die Viehrampe am Bahnhof hatte eine Besonderheit. Sie wurde in der DDR mit einer großen höhenverstellbaren mechanischen Lauframpe ausgerüstet, womit die modernen mehrstöckigen LKW Viehtransporter aus dem gesamten kapitalistischen Ausland hier zentral beladen wurden. Die besten Schweine wurden hier für Dumpingpreise in den Westen zum Ärger der Bevölkerung verhöckert!
Schon 1991 ist rechts im ACZ nichts mehr los und der Gütervekehr war dem Kohlenhandel vorbehalten, da noch viele Altmärker klassisch heizten.
Die Mengen an Braunkohlebrikett waren noch 1991 recht beachtlich und deuten auf einen langsamen Wechsel der Heizanlagen hin. Heute ärgert man sich schon ein wenig, dass man alle Kohle-Öfen damals blind dem Öl und Gas geopfert hat und sich nun der Preisspirale der übermächtigen Energiekonzerne ausliefern muß.
Neben den Kohlen wurde auch noch etwas Getreide an die Großsilos in Klötze und Beetzendorf geliefert. Typisch war auch die Bespannung von Personenzügen durch das Bw Salzwedel und der Güterzüge durch das Bw Oebisfelde. Hier überholt P 6451 wunderschön den Oebisfelder Nahgüterzug.
Bis 1983 kreuzten am Nachmittag immer die dampfbespannten Personenzüge P 6450 und P 6451 in Kusey und wurden damit am Meisten fotografiert. Hier ist es 50 3681-9 mit P 6451 der als Letzter von beiden den Bahnhof Kusey erreicht.

Bild: J. Hartmann

Nach der Wende gings hier gemütlicher zu und der Oebisfelder Nahgüter lag oft Stunden vor seiner Planzeit, da Arbeit Mangelware wurde. So wurde oft direkt vor den Bahnhofsgebäuden gehalten und in Ruhe Kaffee mit dem Fahrdienstleiter getrunken, bevor man die wenigen Wagen rangierte.
Im Juni 2002 wurden dann die Bahnhöfe nochmals in den neuen Einheitslook teuer umgebaut und riesige neue Bahnsteigschilder usw. aufgebaut. Auch eine Maler Firma war dabei, die die alten ansprechenden Ortsnamen an den Gebäuden braun übermalte. Dabei wurden Gerüste an den Gebäuden aufgebaut, um diese Stellen zu erreichen. Allein die Rechnung für das übermalen der gesamten Bahnhofsnamen an dieser Strecke hätte ich gern mal gesehen! Dieser letzte Unsinn vor der Stillegung war eigentlich durch nichts zu überbieten!
Der Bahnhof Kusey wurde am 22.02.1945 bei einem großen amerikanischen Bombenangriff schwer beschädigt und nach dem Krieg wieder original aufgebaut. Wunderschön war die preußische Architektur von 1889, die den Fotos mit der Eisenbahn ein unvergessenes, markantes Flair vermitteln. 50 3606-6 und 772 151-7 im März 1994 in Kusey vor dem hübschen Bahnhof.
Im Septemper 2002 hatte der Bahnhof Kusey dann schon jegliches Flair verloren.
Am 16.06. 1990 noch DDR pur in Kusey!
Im September 1984 fotografierte ich die letzte außerplan fahrende 41er hier auf der Strecke. Es war die 41 1185-2 in jämmerlichen Zustand. Mein letztes Foto dieser 41 machte ich dann an der Osteinfahrt von Kusey, vor dem Ortsteil Lupitz. Eine weitere Verfolgung mit meinem nur 60 km/h schnellen Moped war nicht mehr möglich, da die 41 "Durchfahrt Frei " vom Einfahrsignal Kusey angezeigt bekam!
Vor dem Ortsteil Lupitz wurde viel fotografiert, da hier eine Fotokurve günstig zu erreichen war. Dieser alte Baum und das Gegenlicht boten im April 1994 bei der Plandampfveranstaltung eine würdige Kulisse für 52 8134-0 mit ihrem DR typischen Personenzug nach Salzwedel.
Auch der Alltag war sehenswert. Salzwedeler Stammlok 112 741-4 mit toller Garnitur aus Bghw und Bag Wagen plus Vorkriegspackwagen in der Kuseyer Fotokurve auf dem Weg nach Oebisfelde.
Von dieser Fotokurve ging es bergauf zum Zißberg, dem höchsten Punkt der Strecke, parallel zur Baumallee der Straße Kusey-Klötze. Hier befährt 64 1491-6 im letzten Abendlicht diesen Abschnitt in Richtung Klötze.
Der hohe Damm an dieser Stelle ermöglichte immer gute Detail-Seitenaufnahmen. Die großrädrige filigrane Schnellzuglok der BR 03 konnte man hier allerdings nur kurz im Sommer 1980 und nochmals im August 1990 sehen. Fuhr sie 1980 noch vor planmäßigen Zügen, so gab es 1990 nur noch diesen einen Sonderzug zu einer Fahrzeugausstellung nach Magdeburg. Zuglok war die Dresdener Museumslok 03 001.
Hier hat 118 512-3 ohne Last von Klötze kommend den Zißberg mit seinen 81,2 m erreicht. Im Hintergrund das Sicherungssignal für die Halbschrankenanlage der Landstraße Klötze-Kusey. Hier am Bahndamm lag im Jahr 1945 längere Zeit die abgerissene Flugzeugturbine des Messerschmitt Düsenjägers ME 262. Noch in den achziger Jahren fand man hier im Wald Munition und Wehrmachtsstahlhelme. Hier oben hatten sich nach Durchmarsch der Amis die letzten deutschen Kampfverbände verschanzt.
Genau 8 Jahre früher, 1983 mühten sich die alten 41er über diesen unbeliebten Streckenpunkt und die BR 118 durfte noch bessere Eilzüge nach Berlin fahren!

Bild: J. Hartmann

Auch Lokführer Wall, Ersatzmann Schliewe und Kalle Teuber an der Schippe mußten 1989 alles geben um den schweren, vollbesetzten Sonderzug von Klötze hier rauf zu bekommen. Im Hintergrund die bekannte Halbschrankenanlage.
41 1231-4 mit P 6451 mal von unten aufgenommen!

Bild: J. Hartmann

Im Sommer 1993 wurde der älteste Triebwagen des Bw Salzwedel "004"als einer der Ersten im Raw Halle teilmodernisiert und tauchte in ungewohnten neuen Farben bei uns wieder auf. Im Januar 1994 hat auch er den höchsten Streckenkilometer erreicht und rollt gleich über den Bahnübergang.

"004" ist heute noch in Kuba im Einsatz! Wer hätte das von unserem Altmarksenior je gedacht!

"005" war 1993 noch rot als auch er den Ziß erreicht.
Hier läßt sich die immer bestens gepflegte Oebisfelder Stammlok 50 3706-4 mit der gekürzten Rachkammerschürze über den Übergang ins Tal rollen.

Bild: J.Hartmann

Wiederum 50 3706-4 des Bw Oebisfelde ist hier am P 6451 auf dem Straßenübergang am Ziß. Dieser lag im überhöhten Gleisbogen und durfte bis zu seiner vollen Entfernung im Jahr 2009 vom Straßenverkehr nur mit 40 km/h befahren werden, da die Gleise in der Straße eine Schanze bildeten.

Bild: J.Hartmann

 

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